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Armut in Wien


Armut in Wien: Achtung Absturzgefahr!

 

Durch Krankheit, McJobs oder Arbeits-losigkeit sind immer mehr Menschen gefährdet in die Armut zu stürzen.
(Wien, 19.12.02)

 

Wieviele Menschen in Wien sind arm?

Laut den aktuellsten verfügbaren Daten für 1997 sind 10,9% der Wiener Bevölkerung (163.000 Menschen) armutsgefährdet (Gesamtösterreich: 11%). Das bedeutet, dass ihr - gewichtetes -  Einkommen unterhalb der Armutsgrenze  von 727 Euro/Monat (Jahreszwölftel) liegt.

 

110.000 dieser 163.000 Menschen sind akut arm. Das entspricht 7,4% der Wiener Bevölkerung (Gesamtösterreich: 4,3%). „Akute Armut“ bedeutet:  Neben einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze treten Einschränkungen bei grundlegenden Lebensbedürfnissen auf. Von solchen Einschränkungen wird ausgegangen, wenn zumindest eine der folgenden fünf Situationen auftritt:

·         Substandardwohnung oder überbelegte Wohnung

·         Probleme beim Beheizen der Wohnung

·         Unmöglichkeit, abgenutzte Kleidung durch neue zu ersetzen.

·         Unmöglichkeit, zumindest einmal im Monat jemanden zu sich nach Hause zum Essen einzuladen

·         Rückstände bei Zahlungen von Miete, Betriebskosten und Krediten

 

Zum Vergleich: Laut den aktuellsten Daten für 1999 haben in diesem Jahr in Wien 31.433 Personen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts in der offenen Sozialhilfe erhalten.

 

Wie arm sind die Armen?

Die „Armutslücke“ drückt aus, wie weit das Einkommen der von Armut Betroffenen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Ausgedrückt wird sie in Prozent der Armutsgrenze. Bei den Armutsgefährdeten liegt die Armutslücke bei 21%, bei den akut Armen bei 20% (Gesamtösterreich: 18% bzw. 21%). Das heißt, dass die von Armut Betroffenen in Wien mit einem Einkommen ihr Auslangen finden müssen, das im Durchschnitt ein Fünftel unterhalb der Armutsgrenze liegt.

 

Wie lange sind die Armen arm?

Von Langzeitarmut spricht man, wenn eine Person durchgängig vier Jahre lang arm ist. Eine erste Untersuchung von Langzeitarmut in Österreich hat gezeigt, dass Wien, wo 18,3% der Gesamtbevölkerung Österreichs leben, 10,8% der Langzeit-Armutsgefährdeten und 22,2% der Langzeit-akut-Armen stellt. Deutlich überrepräsentiert ist Wien bei den Kurzzeit-Armen (deren Verweildauer in Armut ein Jahr beträgt): 24,2 % der Kurzzeit-Armutsgefährdeten und 31,6% der Kurzzeit-akut-Armen leben in der Bundeshauptstadt.

Das bedeutet, dass die Betroffenheit von Armut in Wien weniger „ausdauernd“ ist als in ländlichen Gebieten Österreichs. Wien unterscheidet sich in diesem Punkt von anderen Großstädten Europas, wo der Anteil der Langzeitarmen deutlich überrepräsentiert ist.

 

Beispiel: AlleinerzieherInnen:

Eine aktuelle Studie über AlleinerzieherInnen in Wien kommt zu dem Schluss:

„Insgesamt hat fast die Hälfte der alleinerziehenden Familien mit finanziellen Problemen zu kämpfen, welche auch mehr oder weniger manifest die Lebensqualität einschränken. Von ihrer Einkommenssituation her sind 10 Prozent definitiv als „arm“ zu bezeichnen. Die Situation wirkt umso gravierender, je älter ein Kind / die Kinder werden und entspannt sich wahrscheinlich erst wieder mit dessen / deren Eintritt ins Erwerbsleben. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich auch und gerade das Leben unter „verborgenen“ Armutsbedingungen als Integrations- und Bildungshemmnis und damit auch als Barriere für den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt auswirken wird.“

 

Beispiel: Wohnungslose:

Nach einer älteren Schätzung gibt es in Wien zumindest 5.000 wohnungslose Menschen, von diesen steht geschätzten 1000 Personen als Schlafmöglichkeit kein Bett in einem beheizbaren Raum zur Verfügung.

 

Beispiel: Langzeitarbeitslose:

Von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Haushalte haben ein besonders hohes Risiko, von Armut betroffen zu sein: Österreichweit sind 32% der Langzeitarbeitslosen (mehr als sechs Monate arbeitslos) armutsgefährdet; 22,5 Prozent sind akut arm. Auch das Risiko, von Langzeitarmut betroffen zu sein, ist für diese Gruppe sehr hoch: Obwohl sie kaum 2% der österreichischen Gesamtbevölkerung über 14 Jahre ausmachen, stellen sie 11% der Personen in akuter Langzeitarmut dar.

Im November waren in Wien 7.528 Personen beim AMS gemeldet, die länger als ein Jahr arbeitslos waren. Einen besseren Indikator für Langzeitarmut als die Meldedauer beim AMS gibt aber der Bezug von Notstandshilfe als Anschlussleistung an das Arbeitslosengeld ab, da die Meldedauer beispielsweise nach der Teilnahme an einer Qualifizierungsmaßnahme des AMS wieder neu gezählt wird. Laut den aktuellsten Zahlen für August 2002 sind 37.457 Personen in Wien NotstandshilfebezieherInnen. Die durchschnittliche Leistungshöhe bei der Notstandshilfe lag im August 2002 bei 18,5 Euro/Tag (Frauen: 15,5 Euro/Tag, Männer: 19,8 Euro/Tag).

 

Was Armut im Alltag der Betroffenen bedeutet:

·         8% der Wiener Bevölkerung (132.000 Menschen) können es sich nicht leisten, einmal im Monat jemanden zu sich nach Hause zum Essen einzuladen.

·         7% der Wiener Bevölkerung (118.000 Menschen) können es sich nicht leisten, abgenutzte Kleidung durch neue zu ersetzen.

·         11% der Wiener Bevölkerung (187.000 Menschen) leben in Wohnungen der Kategorie D. 15% der Wiener Bevölkerung (243.000 Menschen) leben in Wohnungen, die sich in einem schlechten Zustand befinden. 7% der Wiener Bevölkerung (116.000 Menschen) leben in Wohnungen, die über keine angemesse Heizmöglichkeit verfügen.

 

Verwendete Literatur/Unterlagen:

- Interdisziplinäres Forschungszentrum Sozialwissenschaften (IFS) (2001): Europäisches Haushaltspanel, 5. Welle 1999, Zahlen für 1998, Tabellenband, www.iccr-international.org/echp

- Arbeitsmarktservice: LeistungsbezieherInnendaten und Monatsstatistiken, www.ams.or.at

- Pratscher, Kurt / Stolitzka, Brigitte (2001): Sozial(hilfe)leistungen der Bundesländer, Statistische Nachrichten  8/2001, S. 580-586

- Förster, Michael (2001): Armutsgefährdete und arme Personen; in: BMSG (Hg.): Sozialbericht 1999

- Arbeiterkammer Wien (Hg.) (2001): Alleinerzieherinnen in Wien

- Eitel, Gerhard/ Schoibl, Heinz (1998): Kurzfassung der „Grundlagenerhebung zur Wohnungslosensituation in Österreich“, www.bawo.at

 

Martina Kragl

aus: Newsletter Dezember 2002

Koordinationsstelle der Armutskonferenz: Eugen Bierling-Wagner

Radetzkystr- 27/2/14a, A-1030 Wien

Tel: 01/402 69 44-12 e-mail: office@armutskonferenz.at

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