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Euromania


Euromania

 

1. Jänner 2002. Das große Österreichische "Kultur"-Ereignis, oder, was auch immer, "NEUJAHRSKONZERT." Festlich Gewandete, die ihre Eintrittskarten per Los bekommen haben, hören sich die Strauß´sche Tanzmusik brav sitzend an; Millionen Andere dürfen dem Fest per Fernsehen beiwohnen.

Und siehe: hoch auf der Orgel des Großen Musikvereinssaales prangt ein neues Symbol. €. Jetzt weiß man endlich, in wessen Zeichen die Österreichische Hochkultur steht. Schön.

Kurz darauf: die Sondersendung des Österreichischen Regierungsfunks, verzeiht den Druckfehler, natürlich Rundfunks, zum Thema Euro: Glücklich können wir sein, daß wir ihn jetzt endlich haben. Jetzt haben sich die Einschnitte im Sozial-, Gesundheits- und Kulturwesen und viele andere endlich gelohnt.

Freudestrahlend  auch unser verehrter Herr Bundeskanzler, wie man weiß, ein Mann von klaren, aussagekräftigen Worten!  (Außer unter Anderem zu nationalistischen Ausritten seines Koalitionspartners)"Ich denke nur mehr in Euro", sagt er charmant lächelnd, und ich frage mich, ob er auch an etwas Anderes denkt, zum Beispiel an die, während seiner Regierungsperiode sprunghaft gestiegenen, Arbeitslosenzahlen.

Na, ja, er hat´s ja leicht, denn er geht sicher nicht täglich einkaufen. Seine, mediengerecht mit Blumen, die, wieder mediengerecht, mit Euros bezahlt wurden, beschenkte Gattin hat doch, wie sie schelmisch gesteht, eine Umrechentabelle zu Haus.

EU-Ratspräsident Prodi, bündnistreu bei Freunden in Wien zu Gast- endlich zwei äußerst rechte Regierungen nebeneinander, vorbei die unerträgliche "Ausgrenzung" unserer Heimat durch die EU,- räumt wenigstens einen gewissen" Abschiedsschmerz" den alten Währungen gegenüber ein; aber:"So ist das Leben" , wie er, weise lächelnd ,wie ein Mitglied des ehemaligen "Weisenrates", verkündet. Wir müssen froh sein, von weisen Männern negiert, Entschuldigung: regiert natürlich, zu werden!

Die pflichtgetreue Gehirnwäsche, Verzeihung: Aufklärung, des Regierungs-, schon wieder der blöde Fehler, natürlich Rundfunks, hat nun auch schon seinen Höhepunkt überschritten; wir sind nun alle Mitglieder der Euro-Familie. "Heim in´s Reich", sozusagen, ein Volk, ein Reich, ein.....nein, das führt nun doch zu weit, das seh auch ich ein! Wie sich die neue "Internationalität" allerdings mit der Eindeutschung von Fremdwörtern, dem neuen "Ortstafelsturm" in Kärnten, der "Flüchtlingspolitik" der Bundesregierung und der Tatsache, daß 50% der Österreicher und Österreicherinnen dezidiert ausländerfeindlich sind, verträgt, ist diskussionswürdig. Allerdings kämpfen wir auch , zumindest moralisch, mit gegen den "Bösen Feind" der "freiheitsbringenden" USA. Das macht uns schon zu Europäern. Zu "Kreuzrittern" sozusagen. (Daß die USA trotz der verkündeten Niederlage der Taliban und trotz der Apelle der neuen Regierung Afghanistans weiter zivile Dörfer bombardiert, gehört, glaub ich, nicht zum Thema "Euro" oder?) Es bleibt auch die Frage, ob das, ] w as mit Gewalt, oder per Verordnung, nivelliert wird, auch "gleich" bleibt, oder, ob das nicht ein neuer Grund für neue Nationalismen sein kann, weil ,nicht alle "EUropäer" sein wollen, und viele davon keinen anderen weg finden können, als eben: Nationalismus. Ich will das nicht entschuldigen, nur versuchen, verständlich zu machen.

Alles ist gut gegangen, abgesehen von dem Totalausfall der Bankomaten, der natürlich, wie uns versichert wurde, nichts mit der Euro-Umstellung zu tun hatte. (Die Italiener hatten´s da nicht so gut..)

Auch die befürchteten Preissteigerungen sind ausgeblieben; daß ich in einigen Geschäften bei Sonderangeboten einen Preisanstieg von 50% bemerkt habe, (von 31.12.-1.1. wohlgemerkt) ist vielleicht auf meinen Silvester-Sektkonsum (immerhin 2 Gläser) zurückzuführen. Von den "schleichenden" Verteuerungen im Lauf des letzten Jahres (z.B. bei Büchern) hat auch niemand was bemerkt.

Nun geht´s an´s pflichtbewußte Konsumieren und Ausgeben.

Wir haben nun, neben den Scheinen,  8 Münzen zur Verfügung. Wen wundert´s, daß die Warteschlangen vor den Kassen der Warenhäuser immer länger werden und Kassakräfte, sowie Kunden mit Um-und v.a. Nachrechnen restlos überfordert sind? 1 Cent: so kleine Währungseinheiten hatten wir seit langem nicht.

Besonders alte Leute sehen sich ungeheuren Problemen gegenüber und werden leicht , gewollt, oder ungewollt, übervorteilt.

Die beste Lösung: Zahlung per Bankomat. Das ist einfacher, es gibt kein Wechselgeld, und außerdem bekommen die armen Banken, die durch den Entfall der Wechselspesen, zumindest, bis ihnen eine andere Schröpfmöglichkeit eingefallen ist, ja schwer in Mitleidenschaft gezogen sind, doppelte Buchungsgebühren. Das ist gut so, es kann ja nicht nur die Industrie Vorteile von der Währungsumstellung haben!  Auch die Geldbörserlhersteller werden einige Zeit Hochkonjunktur haben, denn die vielen Münzen werden in die alten Geldbörserln nicht mehr passen.[Thomas Neumeister-Macek]  Davon, daß Handelsangestellte bis zu einer halben Stunde täglich länger im Geschäft sitzen müssen, um die Münzerln zu zählen, wissen die Verantwortlichen wahrscheinlich nichts, oder es ist ihnen egal.

Wo die Vorteile für uns liegen, vom Wegfall  des Geldwechselns bei Auslandsreisen, und dessen Spesen abgesehen, ist mir noch nicht klar!

Wie auch immer: trotz der teuren Eurowerbung, die überflüssig war, da wir ja, wie das in Demokratien anscheinend üblich ist, nicht gefragt wurden, bleibt mir ein bitterer Nachgeschmack.

Sentimental denke ich an den Schilling zurück (Sparefroh, Schulzeit...)  und denke mir klammheimlich: wenn unsere Regierung und die EU UND die Medien das für gut, toll, super, innovativ, modern, zeitgemäß, notwendig, unabänderlich, historisch notwendig, wichtig, cool,  ("gottgewollt" hab ich noch nicht gehört, ich müßte Bischof Krenn fragen) und vieles andere Positive mehr halten: ist das dann "GUT" für uns "kleine Leute", wie uns unser großer Kanzler so gern und volksnah nennt?

Zugegeben, ich bin kein Wirtschaftsfachmann, aber ich kenn mich etwas im Fach "Geschichte" aus und weiß, daß so groß verkündete und beworbene Reformen zu Gunsten eines "Globalisierten" Kapitalismus den betroffenen Menschen selten wirklich genützt haben! Vor allem, wenn man an die vielen "Belastungspakete" denkt, die den Euro ermöglicht haben.

Wir werden ja sehen.

 

Thomas Neumeister-Macek

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