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Inhalt | Pädagogisches | Gewalt | Der Mythos ..

Der Mythos ..

von der "g´sunden Watsch`n"


"Der Mythos von der g´sunden Watsch`n  -

  Denn jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Kindheit"  Hans Czermak

 

Als ich in der letzten Zeitung den Artikel von Thomas über T.W. Adorno die Erziehung nach Auschwitz und einmal wieder die Rede von Astrid Lindgren gelesen habe, ist mir Hans Czermak eingefallen, dem es zu verdanken ist, dass in der österreichischen Verfassung schon seit 1989 jede Gewalt gegen Kinder verboten ist

(andere europäische und außereuropäische Länder haben dies erst später oder gar nicht beschlossen Deutschland z.B. erst vor einem Jahr  2001).

Im kommenden möchte ich daher als Beitrag  zu dem Thema einige Texte von und über den großen Sozialpädiater und Kämpfer für eine gewaltlose Erziehung und gegen die hohe Säuglingssterblichkeit Prof. Dr. Hans Czermak zitieren.

 

" Die Diktatur gewalttätiger Erziehungspraktiken

Antiautoritär erzogene Kinder waren immer wieder ein Schreckgespenst für die Staatsmänner. Konnten doch aus ihnen gefährliche "Freidenker und Offenredner" werden. Deshalb war

"In den 12 Jahren der braunen Diktatur" die Züchtigung nicht nur erlaubt, sondern sie gehörte zum festen Bestandteil des Schulwesens.

In der "Neuen Gerichtszeitung" aus dem Jahr 1964(!) findet sich dazu noch eine letzte Anregung, die einen das Gruseln lehren könnte; Biermann zitiert sie : ".... kleine private Erziehungsanstalten ins Leben rufen mit geschlossenen Abteilungen (sprich Folterkammern, d. Aut.), in die schwache Eltern ihre halbwüchsigen Sprößlinge, auf die sie keinerlei Einfluss mehr haben, für einige Zeit geben könnten und in denen sie eventuell unter Anwendung scharfer Prügelstrafen zu ernsthaften Arbeit angehalten werden."

Eltern, die ihre Kinder nicht prügeln, werden also als "schwach" apostrophiert. Ihre Kinder sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des Rechts " privat und geschlossen" nacher-

zogen werden. Erziehungshilfe mit "starker Hand" für Kinder von "Schwachen".

Die Faschisten sterben eben nicht aus, sondern leben als "Fachleute für Autorität und Sprachgebung" - mit letzterer wird die Gewalt so dargeboten, dass sie schön klingt- in allen Generationen und in allen Völkern weiter.

Denn jede Form der starken Autorität hat den Faschismus immanent, bei dem von oben her diktiert wird. Alles was mit strengen Regeln, Bestrafung und Einengung einhergeht, hat seine Wurzeln in einem weitgefassten Faschismus, dessen verschiedene Abarten nur nicht immer als solche erkannt werden. So ist auch der Ruf nach " law and order", der z.B. die Süchtigen trifft -mit Arbeitshaus, Einsperren usw.-, im Grunde nichts anderes als eine faschistoide Erziehungsmethode. ....... So wie die veränderte Rechtslage eine festverwurzelte Praxis in der niemand ein Unrecht sieht, kaum beeinflussen kann, ist auch nicht vorstellbar, dass Kinder allein aus Furcht vor den erzieherischen Folgen anders handeln werden. Gesunde triebstarke widerstandsfähige Kinder werden ebenso "schlimm" bleiben. Aber schwächlichere Gemüter werden verängstigt und zur Anpassung "gebrochen" werden.

Die Kinderpsychologin Elisabeth Flitner betont, " aus Furcht vor körperlichen Schmerzen könne kein Rechts- oder Unrechtsbewusstsein entwickelt werden, zur Einsicht gehöre Bereitwilligkeit."

Hans Czermak/ Günther Pernhaupt in " DIE GESUNDE OHRFEIGE MACHT KRANK" Orac Wien 1980

 

 

 

 

 

......" So floss seine großartigste und humanste Idee, nämlich die gewaltlose Erziehung ,

am 1. Juli 1989 ganz still und leise ins allgemeine bürgerliche Gesetzbuch ein. Mit einem einzigen Satz wurde die Gewalt in der Erziehung abgeschafft. Ein schöneres, wenn auch namenloses Denkmal hätte man ihm nicht setzen können. Wenigstens in unseren Köpfen sollte dieses Gesetz nach ihm benannt werden als "Lex Czermak".                                         

                                                                                                                                         Günter Pernhaupt

 

Die "Lex Cermak" ein Vermächtnis von Hans Czermak  (1913 - 1989)

Seit 1. Juli 1989 bestimmt der §146a ABGB, dass " die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen und seelischen Leides" unzulässig sind.

Damit hat der Gesetzgeber eindeutig klargestellt, dass der Einsatz körperlicher und seelischer Gewalt bei der Erziehung immer und ausnahmslos rechtswidrig ist und jedenfalls dem Wohle des Kindes widerspricht.

Es besteht kein Zweifel dass durch die "Lex Czermak" die Welt zwar nicht von heute auf morgen verändert wird, dass dadurch aber ganz wesentliche Weichen im Kindschafts- und Jugendrecht gestellt werden, die vielleicht doch zu einer allgemeinen Bewusstseinsänderung führen können. Der österreichische Gesetzgeber hat einen international beispiellosen Mut gezeigt, einer so grundsätzlichen Frage nicht durch eine "weiche" Lösung auszuweichen, sondern sie an der Wurzel anzupacken.

Ohne das unermüdliche Wirken von Hans Czermak, der nicht nur alle seiner engsten MitarbeiterInnen, sondern alle, die ihm in den Weg kamen, von der Notwendigkeit einer

gesetzlichen Weichenstellung überzeugt hat, wäre es wohl nicht so weit gekommen.

Gerade dadurch hat Hans Czermak uns allen gezeigt, dass wirkliches Engagement auch ohne politische Hausmacht sich letztlich durchsetzen kann. Neben allem, was Österreichs Pädiatrie und Jugendwohlfahrt Hans Czermak zu verdanken hat, hat er auch manchen wahrscheinlich durch dieses erfolgreiche Agieren im legislativen Raum wieder den Glauben an unsere oft so

strapazierte Demokratie zurückzugeben. Uns bleibt nur im Sinn und Geist Hans Czermaks weiterzuwirken.

Dr. Udo Jesionek

Beide Beiträge aus : "Kinderschutz aktiv" Februar 1990

der Zeitung des Österreichischen Kinderschutzbundes - Verein für gewaltlose Erziehung

( gegründet von Hans Czermak  )

 

Buchempfelung :

Günther Pernhaupt / Hans Czermak

DIE GESUNDE OHRFEIGE MACHT KRANK

Über die alltägliche Gewalt im Umgang mit Kindern

Verlag ORAC - Wien 1980

 

Selbstverständlich möchte ich mit diesem Beitrag keinen BetreuerInnen oder LeserInnen unterstellen, dass sie selbst Gewalt gegenüber den ihnen anvertrauten oder eigenen Kinder anwenden. Aber ich denke oft ,dass Erziehung auch gesellschaftspolitische Dimensionen

hat und wir unsere Verantwortung den Kindern gegenüber auch anders sehen können.

 

Martina Zucker

 

Noch ein Nachtrag zum Thema , der zeigt wie aktuell es leider nach wie vor ist.

Im Standars vom 27./28. April 2002 habe ich folgendes gelesen :

Gewalt ist "Familiensache"

Von den 1,3 Millionen Kindern unter 15 Jahren, in Österreich werden rund 300.000 geprügelt, bis zu fünf Prozent der Opfer erleiden schwerste Misshandlungen, die bis zum Tod führen können. Zu sexuellen Übergriffen kommt es bei jedem vierten Mädchen und jedem sechsten Bub. Diese erschreckenden Daten referierte die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Darenstaedt in einem Symposion zum Thema "Gewalt und Missbrauch von Kindern - was tun?" in Salzburg.

 

 

 

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