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Inhalt | Pädagogisches | verschiedenes | Kinder schaffen sich eigene Räume

Kinder schaffen sich eigene Räume

eine kurze Chronologie


1. Tag

Einige der Mädchen beginnen, sich in der Ecke des Gruppenzimmers ein „Haus“ zu bauen – mit Sesseln, Tüchern und Kartons.

Nachdem die anderen Kinder kamen, wurden die anderen Mädchen ohne Probleme aufgenommen, Buben aber von Anfang an kategorisch ausgeschlossen.

Das „Haus“ wird noch mit Hinweistafeln vor dem Schulwart „geschützt“.

 

  1. Tag

Nach dem Essen nehmen die Mädchen sofort ihre Ecke wieder in Besitz. Einige haben Pölster, Decken und Teppiche zur Ausstaffierung mitgenommen. Sie sitzen drinnen zusammen und spielen ruhig (z.B. „Familie).

Die Burschen werden neidig und beginnen, eine andere Ecke, die Matratze, für sich einzurichten. Mangels Tüchern verwenden sie Sesseln und Schultaschen als Abschirmung.

Zu beobachten ist, dass bei den Burschen nicht das gemeinsame Spiel, sondern anfangs vor allem Rivalen“kämpfe“ und der „Kampf“ (durch raufen, Übertrumpfen, Überschreien, Anweisungen geben etc.) um die Führungsposition.

Nachdem diese abgeklärt ist – einer ist der „Chef“ – wird die Gestaltung des Ecks planvoll in Angriff genommen. Vom „Chef“ werden alle Arbeiten an die anderen delegiert. Im Unterscheid dazu gehen die Mädchen eher gemeinsam etwas an, sie werden eher von sich aus aktiv – auch wenn sich natürlich auch eine Wortführerin herauskristallisiert.

 

Die Buben versuchen als erste, die „Grenzen“ der Mädchenzone zu überschreiten – sie kommen immer wieder zu ihrem Eck und schauen hinein.

Die Reaktion der Mädchen kam rasch: sie gingen zur Ecke der Buben und störten genauso.

 

  1. Tag

Nach den Auseinandersetzungen am letzten Tag wurden im Sesselkreis gemeinsame Regeln ausgemacht:

-         die Buben bleiben dem Mädcheneck fern und umgekehrt

-         die Sessel können nicht mehr zum Bauen verwendet werden ->

-         alle versuchen, Kartons, Tücher etc. mitzunehmen

-         es darf nicht zu laut sein

-         man kann einander „Einladungen“ aussprechen

Bei einer Abstimmung – Park oder hier bleiben – entschieden sich alle gegen Park, obwohl dieser normalerweise der Topfavorit ist.

 

Mit Kuchen (vom Mittagessen) und mitgebrachtem Saft wird in den Häusern gejausnet. Dabei werden auch schon Einladungen ausgesprochen – nach kurzer Zeit finden sich in beiden Häusern gemischte Gruppen.

 

  1. Tag

Buben wie Mädchen haben Kartons mitgebracht, sowie Decken und Polster. Damit werden die Spielhäuser neu gebaut.

 

Die Führerstruktur bei den Burschen wird immer stärker aufgebaut: Der „Chef“ (E.) bestimmt so ziemlich alles, was im Eck der Burschen passiert: Was wie gebaut wird, wer wann was essen/trinken darf, wer was spielen darf ...

Wenn E. nicht da ist, bestimmt er vorher Unterchefs.

Problematisch.

 

Die Kinder haben auch wieder Essen (Semmeln, Süßigkeiten, ...) und Getränke mitgebracht. Damit wird auch zwischen den beiden Gruppen getauscht und gehandelt.

 

Meine Kollegin gibt beiden Gruppen ein Heft („Bandenheft“), in denen die Kinder bzw. die Gruppen ihre Aktivitäten bzw. Erlebnisse, ...etc. aufschreiben können/sollen.

 

  1. Tag

Wieder fällt die Abstimmung für hier bleiben aus.

Die Mädchen haben vor allem Utensilien aus der Puppenküche/-haus mitgenommen, die Burschen diesmal nur Schlecker. Tücher bekommen sie von uns und teilweise von den Mädchen und konstruieren sich damit ein Dach über der Matratze (Art Zelt).

Im Mädchenhaus entstehen Regale und sie werden auch gleich eingeräumt und verhängt.

 

Es besteht das Problem, dass einige Kinder immer wieder aus den Häusern hinausgeworfen bzw. –geekelt werden.

Wir Betreuerinnen stehen auf dem Standpunkt: alle Buben dürfen ins Bubenhaus und alle Mädchen ins Mädchenhaus.

 

Trotzdem finden einige – wie z.B. M. und B. als Ältere oder P. als Jüngster – nicht so recht in die Gruppenstrukturen hinein.

 

  1. Tag

Nach einer Besprechung im Kreis, wo wieder alle Regeln wiederholt und neuerlich eingeprägt wurden, verbesserten/erneuerten die Kinder ihre Häuser.

Ohne gröbere Wickel spielen sie den ganzen Nachmittag darin.

 

Auswirkung auf die Gruppe:

Man merkt, dass das bauen der Häuser die soziale Kompetenz beachtlich gesteigert hat: erstmals schafften die Kinder es, längerfristig gemeinsam zielgerichtet tätig zu werden.

Es wurde gemeinsam geplant und gemeinsam umgesetzt. Natürlich ist das Sozialverhalten der meisten Kinder noch weit von der „Normalität“ entfernt. Doch die Häuser animieren die Kinder, sich zusammenzusetzen und gemeinsam zu spielen, zu reden, sich Witze zu erzählen, ... etc.

 

SPZ Zinckgasse, Frühjahr 1999

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