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Maria Montessori

ihr Leben und Wirken

Eine Hand voll Bücher zu Maria Motessoris 50. Todestag zeigt, wie aktuell das Werk der italienischen Pädagogin und Ärztin ist.


 (verschiedene Buchempfelungen stehen am Ende des Artikels)

 

Maria Montessori, die Begründerin der nach ihr benannten pädagogischen Methode, war eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Persöhnlichkeit.1870 geboren, erwarb sie als erste Frau Italiens die Doktorwürde in der Medizin, arbeitete nach ihrem Studium mit geistig behinderten Kindern, studierte anschließend Pädagogik und Philosophie und gründete 1907 im römischen Elendsviertel San Lorenzo das erste "Kinderhaus", in dem alles auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet war. Hier entwickelte sie allmählich ihre Methode der Kindererziehung, die ihr bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges weltweit Anerkennung schuf. Ihre Methode entwickelte Maria Montessori ursprünglich für geistig behinderte Kinder. Sie entdeckte als junge Assistenzärztin, dass die kleinen Patienten im Gegensatz zur herrschenden Meinung gefördert werden konnten, wenn man den "in der Seele schlummernden Menschen" ansprach, wenn man ihre Sinne aktivierte und ihnen geistige Nahrung anbot. Diese Erkenntnis brachte sie auf die Idee, ihre Erfahrung auch für normal entwickelte Kinder anzuwenden. Gleichzeitig soll dieser Ansatz den Kindern einen gewissen Freiraum den entwichlungshemmenden Bevormundungen den Erwachsenen gegenüber schaffen. Die Montessoripädagogok richtet daher auch ihre  Forderungen in erster Linie an die Erwachsenen und nicht an die Kinder.

Sie selbst führt ihre pädagogischen Erfolge auf ihre Entdeckung der sogenannten "Polarisierung der Aufmerksamkeit" zurück, die sie bei einem ca. dreijährigen Kind beobachtete, das mit den Einsatzzylindern, einem Block mit zehn Löchern und dazu passenden Einsätzen verschiedener Größe spielte. Dieses Kind wiederholte seine Übung 44 mal, ohne sich auch durch absichtliche Störungen ablenken zu lassen. Montessori erkannte, dass diese Konzentrationsfähigkeit ein Ausdruck von Bildungs- und Lernprozessen ist.

Nach der darauffolgenden Institutionalisierung ihrer pädagogischen Erkenntnisse, begannen diese allmählich zum Dogma zu erstarren. Montessori widmete sich in der zweiten Hälfte ihres Lebens fast ausschließlich der weiteren Verbreitung ihrer Lehre, gründete Schulen rund um die Welt, bildete ErzieherInnen aus und verwandte ihre übrige geistige Kraft darauf, ihre Methode in ein weitgehend irrationales und mystisches Weltbild einzubauen.

" Hilf mir, es selbst zu tun!"- der Leitgedanke der Reformpädagogik, die Maria Montessori entwickelte, ist heute so aktuell wie damals. Montessori Kindergärten und Schulen gibt es in großer Zahl rund um den Globus. Doch bilden sie oft eine abgeschlossenen Welt, in die die Nichteingeweihten kaum hineinblicken.

Die Tatsache, dass Maria Montessori ihre Hinwendung zum Wohl der Kinder als Beitrag zu einem globalen Erziehungsprozess der Menschheit zu Frieden und Freiheit verstand, sowie ihr uneigennützigen Eintreten für ihre Ideale, wurde im Jahr 1950 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises gewürdigt. Maria Montessori starb 1952 in Noordwijk aan Zee in Holland.

 

Auch heute wären die Ideen der italienischen Ärztin und Pädagogin es durchaus wert, von einem breiten Publikum rezipiert zu werden : von allen, die um die Balance zwischen Gewährenlassen und Bevormundung kämpfen oder von lärmgeplagten BetreuerInnen und LehrerInnen, die sich über unaufmerksame SchülerInnen ärgern.

 

Im Zentrum der Montessori Pädagogik steht der Mensch, genauer gesagt das Kind, mit seinen jeweils individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Allen Kindern gemeinsam ist ein ererbter Lebensdrang, eine vitale Kraft, die das Kind zur  Entfaltung seiner Anlagen drängt. Im günstigsten Fall baut das Kind selbst mit Hilfe dieser Kraft seine Persönlichkeit nach einem vorgegebenen Plan auf, im ungünstigsten Fall wird dieser Prozess von widrigen Umwelteinflüssen be- oder verhindert.

Da Maria Montessori durchaus den geschichtliches Aspekt ihrer Lehre erkannt hatte und wusste, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse um die Jahrhundertwende zu einem großen Teil am Dilemma der Kinder Schuld trugen, war die Entwicklung der Persönlichkeit des einzelnen Menschen für sie nur ein pädagogisches Teilziel. Ihr ging es vielmehr darum, durch die Erziehung des Einzelnen auf das Ganze zu wirken und dieses zu verändern.

Montessori ging in ihren Überlegungen davon, dass Kindheit und Erwachsenenwelt zwei grundsätzlich verschiedene Dinge seien. Dieser Ansatz ist deshalb so wichtig, weil aus ihm die Forderung abgeleitet wird das Kind als gleichwertiges Gegenüber, als Partner in einem gemeinsamen Prozess  zu sehen. Diese Forderung ist insbesondere im Bereich der Sonderpädagogik eine ausgesprochen anspruchsvolle, da zumindest unbewusst das Denken und Handeln der meisten Menschen Behinderten gegenüber von Vorstellungen beherrscht wird, die zum Gedanken einer Autonomie und eigenen Würde eines jeden Menschen im Gegensatz stehen.

 

 

Das Material, das Maria Montessori teilweise selbst und teilweise weiterentwickelt hat, ist nur der sichtbare Ausdruck einer umfassenden ganzheitlichen Anschauung über die zweckmäßigen Erfordernisse und Bedingungen kindlichen Heranwachsens und Lernens. Nur auf der Basis dieser pädagogischen Grundansicht wird eine zufriedenstellende Arbeit mit den spezifischen Material möglich. Das heißt auch für interessierte BetreuerInnen zunächst einmal vor allem : selbst neugierig werden, Freude und Spannung am Hantieren und Probieren entwickeln, sich selbst und den Kindern Zeit lassen.

Für die ErzieherInnen bedeutet das im speziellen, dass ihre Arbeit nicht darin besteht, Wissen zu vermitteln und auf Lernziele hinzuarbeiten, sondern Voraussetzungen zu schaffen, unter denen  Kinder ihrem eigenen Wissens- und Lernbedürfnissen ungestört nachgehen können.

Diese Voraussetzungen bestehen in der vorbereiteten Umgebung, das sind jene Räumlichkeiten in denen das Lernen kindgerecht vor sich geht.

Montessori wusste schon zu Anfang dieses Jahrhunderts, dass das Kind einen Lebens-, Lern-

und Entwichlungsraum benötigt, der seinen Bedürfnissen, Maßen und Kräften entsprechend pädagogisch, personell, sozial und didaktisch an das Kind angepasst ist. Dementsprechend hat sie als eine der ersten Pädagoginnen Stühle und Tische, die sanitären Anlagen und alle Dinge dem Kind angepasst, sowie Lernsituationen und -materialien so gestaltet, dass die den Ent-

wicklungen und Interessen des Kindes folgen.

Zu den typischen Merkmalen der Montessori Pädagogik gehört das Prinzip der "freien Wahl der Arbeit" (Montessori). Die Kinder wählen in der vorbereiteten Umgebung ihren Lerngegenstand und sie bestimmen weiter Lerntempo und Dauer, aber auch die Wahl des eventuellen Lernpartners liegt bei ihnen. Den LehrerInnen oder BetreuerInnen kommt in der Gestaltung dieser "vorbereiteten Umgebung" eine wichtige Aufgabe zu, denn in einer bewusst gestalteten Umwelt sind für die Kinder entsprechende Entwicklungs- und Lernangebote enthalten.

Die inzwischen weltberühmten Montessori-Materialien ( man findet sie in zum Teil leicht modifizierter Form in vielen Kindergärten und Klassenzimmern)  sind den Kindern in dieser vorbereiteten Umgebung zwar frei zugänglich, sie sind jedoch in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Das Material ist so beschaffen, dass die Kinder ihren Erfolg selbst kontrollieren und korrigieren können.

 

 

Maria Montessori misst den Menschen an seinen eigenen Maßstäben, der Wert eines Menschen ergibt sich nicht aus dem Grad, indem er gesellschaftlich festgelegten  Normen und Idealen entspricht. Die Aufgabe der Pädagogik besteht nicht darin, möglichst viele Einsteins zu züchten, sondern darin, jedem Einzelnen dazu zu verhelfen, seine Fähigkeiten zu entfalten, der Mensch zu werden, der er werden kann.

 

Wenngleich Montessoris Erziehungsmodell durch die selbstgewählte Isolation neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber vor allen in vielen seiner theoretischen Implikationen heute nicht mehr aktuell ist, so hat sie doch die Kindererziehung in unseren Jahrhundert auf eine Weise geprägt, der nur schwer nachvollziehbar ist, da allzuviele ihrer Ideen und Anwendungen zu Allgemeinwissen im Umgang mit Kindern geworden sind und sich kaum jemand mehr "Rechenschaft" darüber gibt, woher diese "Binsenwahrheiten" denn eigentlich stammen.

 

Von den vielen Aspekten, unter denen Montessoris Ansatz noch heute vor allem für die Sonderpädagogik von größter Aktualität  ist, seien hier nur zwei genannt :

Zu einem ist Montessori-Pädagogik per se integrative Pädagogik : "Die logische Folge, aus der Forderung, jedem Menschen zu ermöglichen, was sein individuelles Menschsein bestimmt, ist der Versuch der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Menschen". Zum anderen lässst die Montessori Pädagogik mit ihrer spezifischen Sichtweise des Kindes so manchen modernen pädagogischen Ansatz, der den Menschen von außerhalb seiner selbst liegenden Lernzielen definiert, um Lichtjahre hinter sich zurück.

 

hier einige Bücher zum Thema  :

Montesssori im Original zu lesen fordert EinsteigerInnen einige Geduld ab. Die Texte sind recht ausschweifend und langatmig. Zum Glück gibt es handliche Zusammenfassungen.

Grundlagen der Montssoripädagogik -

Herg. von Ingeborg Becker-Textor 2002 Verlag Herder 8,90 €*, ist eine Sammlung ausgewählter Texte zu allen wichtigen Themen, ergänzt durch lebendige Berichte aus heutigen Kinderhäusern, Schulen und Gymnasien, die viele Einblicke liefern.

10 Grundsätze des Erziehens -

Hrsg. Ingeborg Becker-Textor 2002 Verlag Herder 8,90 € lässt ebenfalls Montessori selbst zu Wort kommen, eingerahmt von kurzen Einführungen und Überleitungen

Lernen ohne Druck -

Hrsg. von Ingeborg Becker-Textor Verlag Herder, 8,90 

ein praxisorientiertes Buch zu einzelnen Themen der Montessoripädagogik.

Wie Kinder zu Konzentration und Stille finden -

Hrsg. Ingeborg Becker-Textor Verlag Herder € 8,90 Die Übungen Maria Montessoris helfen die positive Wirkung der Stille zu erleben

Maria Montessori - Mit Kindern das Leben suchen  -

Horst-Klaus Berg Verlag Herder 2002 , 13,90 € Antworten auf aktuelle pädagogische Fragen.

 

* Die Euro- Preise stammen aus deutschen Medien ,  in Österreich ist wegen der höheren Mehrwertsteuer auf Bücher mit etwas höheren Preisen zu rechnen, 16% in A und 10% in D.

 

Für diesen Artikel wurden folgende Unterlagen verwendet oder zitiert :

Die Zeit Literaturbeilage - März 2002  Schwerpunk : Bildung nach PISA

Skriptum der VHS Margareten 1991 - Sonder- und Heilpädagogik von Peter Theurl

Begleitunterlagen für ein Seminar der Wiener Volksbildung 1994 von Josef Reichmayer

Fröbl und Montessori : Zwei geniale Erzieher - Herder 1991 auch Fotos

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