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Inhalt | Pädagogisches | verschiedenes | Die Pisa - Studie

Die Pisa - Studie

Unser Bildungssystem im Fall ?

Seitdem Pisa als Chiffre weniger für einen schiefen Turm als für die Schieflage des Bildungssystems steht, glauben viele ExpertInnen die Fehler zu kennen.


PISA = Programm for International Student Assessment (Programm zur Internationalen Schüler Bewertung) ist die größte international Schülerleistungsuntersuchung die es je gab.

Im Frühsommer 2000 wurden in 32 Staaten jeweils zwischen 4.500 und 10.000 SchülerInnen im Alter von 15 Jahren getestet. Insgesamt wurden weltweit 265.000 Jugendliche getestet. In Österreich waren es circa 4.800 SchülerInnen und in Deutschland 5.000 Jugendliche an 219 Schulen. Die Schulen und TeilnehmerInnen wurden nach einem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Teilnahme war freiwillig. Auftraggeber ist die OECD ( = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

 

Schwerpunkte der Studie bisher :

·       Lesekompetenz

     Zusätzlich getestet wurden die Grundbildung in

·       Mathematik

·       Naturwissenschaften

 

In Österreich können alle, die direkt oder indirekt mit den System Schule zu tun haben, - SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, DirektorInnen, BetreuerInnen, KindergartenpädagogInnen und PolitikerInnen, mit dem guten Ergebnis der hier unterrichteten SchülerInnen zufrieden sein.

 

Mädchen lesen besser

 

Österreich ist im oberen Mittelfeld der OECD-Studie über Leseverständnis und -kompetenz von Jugendlichen in 32 Staaten und Testsieger im deutschsprachigem Raum.

Mädchen können wesentlich besser lesen als Burschen. Zu diesem Ergebnis kommt die Pisa-

Studie der OECD. Dieser Geschlechtsunterschied zeigt sich in allen Teilnehmerländern- allerdings mit unterschiedlicher Intensität. In Österreich können doppelt so viele Mädchen (15%) ausgezeichnet lesen wie Burschen (7%).

 

Trotzdem greifen österreichische SchülerInnen genausowenig aus Vergnügen zu einem Buch wie ihre AltersgenossInnen in Deutschland.

 

Deutschland hat im PISA Vergleich besonders schlechte Werte erzielt.

 

Deshalb möchte ich mich im Folgenden auch mit den Kommentaren deutscher Medien und den von verschiedenen Seiten vorgebrachten Ursachen für dieses Bildungsdefizit beschäftigen.

 

Wir brauchen flächendeckenden Ganztagsunterricht

    Rabeneltern mit schlechten Schülern

Das ist kein Zufall. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen Schulen nur vormittags geöffnet sind. Gleichzeitig zählt die Bundesrepublik weltweit zu jenen Staaten, in denen die Schüler am wenigsten lernen....

Über die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule wurde hierzulande bisher nicht ernsthaft diskutiert. Das hat nicht nur mit den zusätzlichen Kosten für den erweiterten Unterricht zu tun. Das überkommene Modell der Halbtagsschule verdankt sein Überleben vielmehr einem ideologischen Familienverständnis, das in Deutschland noch immer viele Anhänger hat. Leute die ihre Kinder ganztags in fremde Hände geben gelten als "Rabeneltern" - ein Wort, das es in anderen Sprachen gar nicht gibt.

Während der Hälfte des Tages ist der Nachwuchs folglich dem Einfluss seines sozialen Milieus ausgeliefert. Wer in einem bildungsbürgerlichen Haushalt lebt hat Glück gehabt.

Wer aus bildungsfernen Schichten stammt, muss auf Förderung verzichten. Das ist eine Verschleuderung von Talenten, die sich ein Land in der modernen Wissensgesellschaft nicht leisten kann. Aber auch für die LehrerInnen ist es an der Zeit, sich von ihrem überkommenen Berufsmodell aus jenen alten Zeiten zu verabschieden, als der "Gymnasialprofessor" eine Art Privatgelehrter war. Noch immer sind PädagogInnen eine Art EinzelkämpferInnen zum Teil zu Hause. Das ist unprofessionell, weil es viel zu wenig Austausch zwischen den KollegInnen gibt. Es ist uneffizient, weil eine gemeinsame Vorbereitung des Unterrichts viel wertvolle Zeit sparen würde, die bei der Betreuung der SchülerInnen fehlt. .....

Ganz allmählich sprechen sich die Vorzüge der Ganztagsschule herum. Doch wo die Familienideolologen auf dem Rückzug sind, treten die Finanzminister auf den Plan. Sie fürchten, dass der ganztägige Unterricht doppelt so teuer kommt wie der halbtägige. .......

Ganz ohne zusätzliche Kosten wird es nicht gehen aber die BildungspolitikerInnen sollten den "Pisa"schock nutzen, um diese Geld aufzutreiben.  

Ralf Bollmann in der TAZ vom 05.12.2001

 

Aufsteiger und Absteiger

Deutschland schneidet nicht nur schlecht beim OECD-Test Pisa ab - es hat vor allem das sozial selektivste Schulsystem

Der Mann führt Thesen zum Thema Schule im Munde, die man gemeinhin als links bezeichnet. Andreas Schleicher will nicht akzeptieren, "dass im Land geborene Kinder von Zuwanderern in der Schule deutlich schlechter abschneiden als die Einheimischen". Er mosert auch über schlechte Kindergärten und über zu frühe Schülerauslese in Deutschland.

So etwas hat man zuletzt  bei der Gewerkschaft  Erziehung und Wissenschaft (GEW) gehört und den 68ern. Heute ist es ziemlich out. Der Mann, der am Montag abend den Schulschreck

gab, ist wahrlich kein Linker. Er ist der Koordinator der Bildungsstudie bei der OECD. ...

Er hat eine Botschaft mit nach Berlin gebracht, die alle zuvor durchgesickerten Details übertrifft : Deutschland hat nicht nur eines der schlechtesten, es hat das selektivste Schulsystem der 32 getesteten Länder. ................

 

Es gelingt den deutschen Schulsystem vergleichsweise schlechter, sozial und familiär bedingte ungünstige Schülervoraussetzungen auszugleichen. .... Ungünstige Bildungsvoraussetzungen auf Grund der sozialen Herkunft und/oder einer anderen Erstsprache als Deutsch schlagen hier am stärksten durch. ...

Diese Herausforderung wird angesichts der kombinierten Wirkung von sozioökonomischem Hintergrund und schulischer Separierung in homogene soziale Schichten noch gesteigert.

Österreich und Deutschland etwa sind Länder, in denen vom durchschnittlichen wirt-schaftlichen, sozialen und kulturellen Staus der Schulen ein besonders starker Einfluss auf die Schülerleistungen ausgeht; er ist viel stärker als der Einfluss der einzelnen Familien.

Christian Füller und Ulrich Schulte  in der TAZ - tageszeitung vom 5.12.01

 

Soziale Selektion: In keinem anderen Industrieland ist die soziale Herkunft so entscheidend über den Schulerfolg wie in Deutschland. Anders als in Kanada, Finnland, Japan, Korea und Schweden schafft es Deutschland nicht, herkunftsbedingte Lernnachteile auszugleichen. Kinder aus der Oberschicht haben viermal größere Abiturchancen. Selbst Unterschichtskinder mit besten Lernerfolgen bleiben in der Hauptschule und steigen nicht weiter auf.

 

Ausländerkinder : Deutschland fördert die Ausländerkinder schlechter als andere Industrienationen mit ähnlichem Ausländeranteil. Gut sind dabei Norwegen, Schweden, Österreich und die Schweiz. Bereits im Kindergarten gibt es mehr Förderung, hinzu kommen Ganztagsschulen und zusätzlicher Sprachunterricht.

SPIEGEL ONLINE 05.12.2001

 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Deutschland fordert als Konsequenz der Ergebnisse "dringend Konzepte, die die sozio-kulturellen Barrieren aufbrechen" und stellt sich dafür ein " integriertes Ganztagsschulwesen" vor.

 

WIE MACHEN DIE DAS ?

                       

Finnland : Platz  1

Finnische Kinder werden mit sieben Jahren eingeschult. Die Schulpflicht umfasst neun  Jahre.

Anschließend besucht etwa die Hälfte der SchülerInnen das Gymnasium, die anderen beginnen eine Berufsausbildung.

Auf  fremdsprachige Ausbildung und PC-Unterricht wird sehr viel Wert gelegt. Migrantenkinder erhalten mehrere Stunden in der Woche Sonder-Sprachunterricht. ..

 

Schule ist in Finnland wirklich kostenfrei. Die Kinder erhalten alle Bücher und Materialien, also auch Schreib- und Zeichenmaterial, gestellt. Die Eltern müssen nur für die Schultasche sorgen. Mittags gibt es eine kostenlose Mahlzeit.

 

Kanada : Platz 2

In Kanada besteht vom 6. bis zum 15. Lebensjahr Schulpflicht. Es gibt Förderprogramme sowohl für begabte als auch für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen. ...

In Kanada wird landesweit die Ganztagsschule angeboten. Kanada wendet acht Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung auf und liegt damit weltweit an der Spitze.

 

LeserInnenbrief zum Thema :

 

Zurück in die Sprachgettos

Die an der Spitze der Pisa-Bildungsstudie liegenden Länder haben, wie die taz fest-

stellt, etwas Wesentliches gemeinsam :

1.      Sie selektieren nicht nach Klasse vier in ein mehrgliedriges Schulsystem.

2.      Sie lassen ihre SchülerInnen noch dann in ihren Schulen lernen, wenn unsere bereits in ihre Sprachgettos zurückgekehrt sind, durch die Fernsehkanäle zappen  und sich unsägliche Nachmittagsprogramme "reinziehen", und unter Umständen dabei ihre Hausaufgaben erledigen, um anschließend vielleicht noch stupide und sprachlos am Computer zu spielen, und all das häufig mit Wissen ihrer Eltern.

 

16.000 Fernsehstunden kommen - laut einer Untersuchung- bis zum Schulabschlus zusammen. Das sind pro Schultag rund drei Stunden, genau die Zeit, die zum Beispiel finnische oder englische SchülerInnen noch in der Schule verbringen, in der ihnen offensichtlich " die Liebe zum Lernen" vermittelt wird, das heißt auch die Liebe zum Lesen und damit die "Basisqualifikation" Sprachkompetenz, die deutschen SchülerInnen laut Pisa-Studie in so hohem Maße abgeht. TAZ vom 07.12.2001

 

Nicht die LehrerInnen und falsche Bildungsprogramme sind an der Misere schuld, sondern diejenigen, die unsere Kinder und Jugendlichen bereits mittags der schulischen Bildung entziehen und sie den Verblödungsprogrammen der außerschulischen Miterzieher überlassen.

 

Kommentare und LeserInnenbriefe wie diese beschreiben nicht nur die Probleme im deutschen Schulsystem, sondern sie sind meiner Ansicht nach auch eine  Bestätigung für die Arbeit der  BetreuerInnen im Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung. Denn sie alle tragen dazu bei, dass Kinder in Wien in GTS, OVS und LFK zusätzlich zum Unterricht meist auch am Nachmittag entsprechende Förderungen und Anregungen erfahren, die die allgemeinen Schulleistungen dieser Kinder fördern und verbessern.

 

Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang die muttersprachlichen BetreuerInnen in den Kindergärten, die den Kindern vor Schulbeginn, die für ihre Bedingungen besonders wichtige Förderung der Sprachkompetenz in der Muttersprache und der Zweitsprache Deutsch vermitteln

 

Je früher desto schlauer

Die Pisa-Sudie hat gezeigt, dass Kinder schon frühzeitig gefördert werden müssen. In einzelnen Stadtteilen liegt der Anteil von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen heute bei 25%, und das sind  wohlgemerkt dreieinhalb bis vierjährige Kinder.

Es hat sich auch gezeigt, dass die Förderung der Kinder im Kindergartenalter entscheidend für

ihre spätere schulische Entwicklung ist. Wenn Kinder in den ersten Lebensjahre sprechen lernen, bilden sich durch das Sprechen die entsprechendem Strukturen im Gehirn aus. Die Natur gibt dem Menschen mit der Geburt zwar das Gerüst, die Architektur des Gehirns, sozusagen die lebensnotwendige Grundausstattung als Hardware. Die Software muss aber erst noch geschaffen werden.

Kindergärten und Grundschulen müssen lesepädagogisch aufgerüstet werden. Dazu gehören mehr Stunden, Kindergarten- oder Vorschulgruppen für alle Kinder mit bessern Bibliotheken und vor allem PädagogInnen, die in ihren Schützlingen die Begeisterung für Geschichten zu wecken vermögen. KindergartenpädagogInnen sollten neben Sozialkompetenz noch mehr Spracherziehung und Liebe zu Büchern vermitteln.

 

Wir müssen unser Bildungssystem umorientieren. Die frühe vorschulische und schulische Entwicklung muss in den Fokus gerückt werden. Und zwar mit erheblichen Mittelzuflüssen.

Reich genug ist die Gesellschaft, sie muss es nur wollen.  ( Christinan Füller TAZ 12.12.01)

 

Nach den Studien und Kommentaren der erschreckten deutschen " Dichter und Denker" können wir nur hoffen, dass die zuständigen PolitikerInnen und Finanzminister in unserem Land das nötige tun werden, damit Österreich weiterhin im oberen Drittel der bewerteten Länder liegt und unsere Kindergarten- und Schulkinder auch in Zukunft entsprechend gefördert werden.

 

Es wird sicherlich nicht zum Erhalt des bisherigen Standards beitragen, wenn die Zahl der Kinder pro Schulklasse bzw. Gruppe am Nachmittag erhöht wird und die Förderprogramme für Kinder aus Migrantenfamilien eingeschränkt oder gestrichen werden.

Auch in Wien wird das sozial selektive Schulsystem weiterhin unterstützt. Denn für alle Kinder aus sozialen Randgruppen oder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist die Förderung und Bereicherung in einer der ganztägigen Schulformen sehr wichtig. Nach wie vor wird hierbei aber mehr von der Berufstätigkeit der Eltern und nicht von den Bedürfnissen der Kinder ausgegangen. Es ist nicht zu bestreiten, dass ganztägige Schulen teurer sind als Schulen, die zu mittag enden und die Kinder sich selbst oder einer guten bis mangelnden Hilfe zu Hause überlassen.

 

Die Wurzel des Bildungsübels liegt aus Sicht des OECD-Manns Schleicher im Umgang mit dem Geld.

" Der deutsche Staatshaushalt spricht von Investition, wenn es um den Bau von Autobahnen geht. Bildungsausgaben sind keine Investition - das sind Kosten."

 

Folgende Zeitungen und Internetquellen wurden für diesen Artikel verwendet oder zitiert :

 

Der Standard  vom 05.12.2001 und 14.01.2002

Der Spiegel Nr. 50 vom 10.12.2001

Die Zeit Nr. 50, 51und 52 vom 6.; 13. und 20. 12. 2001

die tageszeitung vom 5.; 7.; 8.; 12. 2001 und 12.12.2002

 

www.pisa-austria.at

www.zeit.de/2001/50/pisa

www.taz.de

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