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Helene Leenders

Der Fall Montessori


Liaison mit dem Faschismus

 

Unbestritten ist Maria Montessori eine der bedeutendsten VorläuferInnen moderner Pädagogik. Trotz ihres bis in die heutige Zeit ungebrochenen Erfolges ist es aber auch unerlässlich, den Blick auf ihre Verbindung zum italienischen Faschismus der 20er und 30er Jahre zu richten.

 

Die Verbindung des sich formierenden Faschismus unter der Führung von Benito Mussolini mit der reformpädagogischen Bewegung und der Person Maria Montessoris stellt Hélène Leenders in der Studie “Der Fall Montessori” dar. Die Autorin zeigt auf, wie der Umstand, dass es sich bei der Montessori-Pädagogik letztlich um eine Methode mit einer vielschichtigen internationalen Rezeption handelt, auch eine Nutzung durch die italienische faschistische Schulpädagogik ermöglichte.

In Sorge um die Verbreitung ihrer pädagogischen Konzeption, repräsentiert durch den Metodo-Text, scheute Maria Montessori nicht davor zurück, diese den Gesinnungen der jeweils bedeutenden schulpolitischen Kräfte anzupassen - wobei ihre ursprünglichen Ideen durchgängig erkennbar blieben.

 

Einfluss sichern

 

1926 wandte sie sich an Benito Mussolini und sicherte sich dank des "Italienischseins" ihrer Methode erfolgreich die Unterstützung des Duce und anderer wichtiger politischer Kräfte in der italienischen Schulreform "Riforma Gentile". Das faschistische Regime hoffte auch auf eine Imageverbesserung angesichts des internationalen Renommees der Montessori-Pädagogik. Als einer der Höhepunkte der Bewegung und ihrer politischen Einflussnahme sei die Eröffnung der pädagogischen Hochschule "Scuola di Metodo" 1928 genannt. Obwohl die Montessori-Bewegung mit ihrer Schirmherrin als Direktorin an der Spitze mit der Herausgabe der L'idea Montessori in ihrem dreijährigen Bestehen von 1927 bis 1929 nicht müde wurde, die Übereinstimmungen der Montessori-Methode mit dem Faschismus aufzuzeigen, um ihren Einfluss in der schulischen Entwicklung Italiens aufrechtzuerhalten, schwand dieser mit der Herausbildung einer "eigenen" faschistischen Pädagogik zusehends. Diese hatte die Faschisierung der Jugend mittels militärischer Bewegungen in Angriff genommen.

 

Briefe an den Duce

 

Nicht aus Widerstand gegen den Faschismus, so zeigt Hélène Leenders, sondern aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Emilio Bodrero, der 1931 als neuer Vorsitzender der "Opera Montessori" von der Regierung eingesetzt wurde, verlässt Maria Montessori 1932 Italien und legt in Folge ihre Funktionen in der "Scuola di Metodo" und in der "Opera Montessori" nieder. Nach kürzeren Aufenthalten in Barcelona und Amsterdam setzt sie ihr Werk ab 1939 in Indien fort. Als 1933 Mussolini Piero Parini als Vorsitzenden der "Opera Montessori" einstellt, um diese mit einer faschistischen und nationalen Orientierung zu instrumentalisieren, ist Montessori bezüglich der politischen Einmischung lediglich um die Unversehrtheit ihrer Methode besorgt. Wie ungebrochen ihr Vertrauen in Mussolini auch weiterhin bleibt, zeigen von ihr an den Duce versandte Briefe und ihre 1934 am Montessori-Kongress in Rom gehaltene Rede, in der sie die Errungenschaften des faschistischen Regimes würdigt.

 

Schon in diesen kurzen Ausführungen verdeutlicht sich die der politischen und kulturellen Ungebundenheit von Montessoris pädagogischem Konzept innewohnende Problematik und deren historische Konsequenzen. Ein Umstand, der bei weiterer Rezeption und vor allem in praktischer Anwendung unbedingt kritischer Reflexion unterzogen werden sollte, wenn man/frau ethische Ansprüche an die Leistungen einer pädagogischen Theorie stellt.

 

Bernhard Schimek

ist Mitglied der Akademievertretung PÄDAK Bund Wien

 

(Artikel erstmals erschienen in: Progress 6/02)

 

Anmerkung:

Durch die Veröffentlichung dieses Artikels sollen in keiner Weise die positiven Auswirkungen der Konzepte Maria Montessoris auf die traditionelle Pädagogik oder die Sinnhaftigkeit deren Übernahme auch in die Nachmittagsbetreuung bestritten werden. Doch gerade bei der Übernahme von neuen Konzepten ist meiner Meinung nach auch die Beschäftigung mit der damit zusammen hängenden Geschichte unbedingt notwendig.

 

Selma Schacht

 

BUCHTIPP:

Hélène Leenders:

Der Fall Montessori. Die Geschichte einer reformpädagogischen Erziehungskonzeption im italienischen Faschismus.

Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt, 2001.

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