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Inhalt | Tipps | Musik / Buch / Film | Minelli, Michèle

Minelli, Michèle

Endstation Schulausschluss

Eigentlich hatte ich mir dieses Buch gekauft, weil mich der Untertitel "Über den Umgang mit schwierigen Schulkindern" angesprochen hat. Schulausschluss war für mich ein unbekanntes Thema.


Doch leider holte mich kurz darauf die Realität ein: Ein Kind, das auch in die Nachmittagsbetreuung geht, wurde für zwei Wochen von der Schule verwiesen. Noch nie davor habe ich so etwas erlebt und mich auch nicht damit beschäftigt. Doch anscheinend ist dies gar nicht so selten, wie mir Gespräche mit Lehrerinnen und die Lektüre des Buches gezeigt haben. So werden beispielsweise in England rund 200.000 Kinder vorübergehend der Schule verwiesen.

"Aggressive Jugendliche, Lehrpersonen am Rand ihrer Kräfte, Disziplinschwierigkeiten im Klassenzimmer und auf dem Schulhof - fast täglich liest man in der Presse über die Probleme in unseren Schulen. Schulgesetze werden verschärft, Schulverweise rascher ausgesprochen, und immer häufiger trifft es auch jüngere Kinder. Anhand von verschiedenen Porträts führt die Autorin vor Augen, welche Gründe, Miss-verständnisse und Kommunikationsprobleme in die Sackgasse "Schulausschluss" führen können. Wie es dazu kommt, weshalb sich Lehrerinnen und Lehrer im Stich gelassen fühlen, welche Mädchen und Buben schließlich durch die Maschen fallen und mit welchen Problemen ihre Eltern konfrontiert sind - darüber gibt dieses Buch Auskunft. Die Autorin zeigt aber auch, welche konstruktiven Lösungsmodelle im In- und Ausland mit Erfolg erprobt werden, um jenen Hand zu bieten, die mit ihrer Schulsituation in wahre Not gelangt sind. Ein Buch, das durch seine Aktualität aufrüttelt und zum Nachdenken anregt."
(aus der Buchbeschreibung des Verlags)
Spannend zu Lesen ist das Buch vor allem deswegen, weil es keine trockene Abhandlung ist, sondern an konkreten, teilweise sehr erschütternden Beispielen beschreibt, welche Probleme, aber auch welche Lösungsansätze es im gemeinsamen Leben von Kindern und LehrerInnen gibt.
Die Autorin zeigt auf, dass Sanktionen, Strafen und Schulausschlüsse zwar kurzfristig den von den "Störaktionen" eines Schulkindes betroffenen LehrerInnen und MitschülerInnen hilft, dem ausgeschlossenen Kind aber meist keine Möglichkeit lässt, die Probleme mit seinem Umfeld zu lösen. Das Symptom wird kurzfristig beseitigt, die Ursachen bleiben bestehen.

Minelli, Michèle : Endstation Schulausschluss?
Über den Umgang mit schwierigen Schulkindern
203 Seiten, 1. Auflage 2003; ISBN: 3-258-06525-X,
Verlag Haupt, EUR: 20.-

Einige Leseproben aus dem Buch:

"Ein Schulausschluss ohne flankierende Maßnahmen, ohne flexibles Auffangnetz für den Ausgeschlossenen, hat immer fatale Folgen. Mögen sie sich auch nicht immer in Gewalttaten zeigen, so schlagen sie sich doch im Inneren des Ausgeschlossenen nieder. Vertrauensverlust, Existenz- und Zukunftsängste, Scham- und Schuldgefühle sind die neuen Begleiter."

"Die Konzentration der Gewaltdiskussion auf das Phänomen der direkten Gewalthandlungen Jugendlicher lenkt von anderen Problembereichen ab und führt dazu, dass diese nicht mehr wahrgenommen werden. Sie verhindert gleichzeitig die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Legitimierung von (staatlicher) Gewalt auf den verschiedensten Ebenen. Wir müssen endlich sehen, dass die gewalttätigen Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, in der sie dauernd mit Gewalt, auch mit legitimierter, konfrontiert sind."

"Wir finden keine nachhaltige erzieherische Basis, wenn wir als Erwachsene auf verbale oder körperliche Gewalt mit ausschließlich repressiven Mitteln reagieren. ... Die Schule hat immer noch eine wichtige Aufgabe im Vermitteln von sozialem Verhalten, Konfliktfähigkeit und guter Kommunikation. Dies sind wichtige Voraussetzungen, um in einer so schnelllebigen und oft auch, v.a. für junge Leute, überfordernden Gesellschaft eine gute Grundlage zu erhalten, sich mit der eigenen Zukunft auseinander zu setzen. Jugendliche, die stets nur Repression erlebt haben, kommen in eine negative Spirale und werden es ohne Hilfe kaum schaffen, aus diesem Teufelskreis auszusteigen."

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